Neue Generation mit Perspektivwechsel

Man kann die Geschichte der Philosophie als einen Jahrtausende andauernden Versuch bezeichnen, im Denken Orientierung zu finden. Und das ist bekanntermaßen gar nicht so leicht, denn es gibt Momente im Leben, in denen man aus sich selbst einfach nicht schlau wird.

Wer sich im Denken orientieren will, der möchte vor allem in der Welt Orientierung finden. Auch darin waren die Philosophen nicht immer gerade Meister, aber es ist ja bekannt, dass das, was jemand lehrt, nicht immer auch das ist, was er selbst am besten können muss.

Letztlich läuft jeder Orientierungsversuch im Denken auf eine Orientierung im Leben hinaus. Der bewusst denkende Mensch möchte sich in seiner Existenz erleben, seine Träume leben, seine Illusionen durchschauen und das Leben führen, das ihn erfüllt und glücklich macht. Es geht dabei um die alte Frage, wie wir unser Leben leben wollen. Um Selbsterkenntnis, die mit Peter Bieri gesprochen Quelle von Freiheit und damit von Glück ist.

Der Philosoph Nicolas Dierks unterscheidet daher zwischen einer Alltagsperspektive und einer Lebensperspektive. Während die Alltagsperspektive vor allem auf eine effiziente und handlungsorientierte Bewältigung des Alltags ausgerichtet ist, umfasst die Lebensperspektive das Ganze des Lebens, die Vision oder den höheren Sinn im individuellen Leben.

Richard David Precht war einer der ersten Philosophen am Beginn des 21. Jahrhunderts, der die Philosophie einem größeren Publikum, ja einer ganzen Masse deutscher Leser nahegebracht hat. Als Meister der Popularisierung und medialen Inszenierung ist er quasi der Prototyp für eine neue Generation junger Autoren, die die Philosophie wieder primär als Orientierung im Denken begreifen.

Was tue ich hier eigentlich? Warum es die Welt nicht gibt und Folge dem weißen Kaninchen sind drei Bücher, die jeweils auf hervorragende und überraschende Weise in die Philosophie einführen. Während Nicolas Dierks die individuelle Sinnsuche im Leben für ein größeres Publikum greifbar macht, haben Philipp Hübl und Markus Gabriel der Orientierung in der Welt einen innovativen und neuartigen Zugang gegeben. (In der Philosophie spricht man von Erkenntnistheorie)

Sie alle sind eine neue Generation philosophischer Autoren, die wie ganz selbstverständlich das Wissen aus Science-Fiction und TV-Serien in ihr Denken einbeziehen. Damit sind sie nicht nur multimediale Denker, sondern auch die ersten digital immigrants der philosophischen Szene.

Gemeinsam mit ihrem Prototypen Richard David Precht teilen sie ein neues Selbstbewusstsein: Sie wollen auf verständlichem Niveau und mit eigener Sprache und Meinung philosophieren, ohne die akademische Philosophie an der Universität dabei schlecht zu reden.

Wie Jim Holt in seiner Geschichte „Gibt es alles oder nichts?“ erkunden die Autoren unseren individuellen Platz im Universum, die endliche Existenz des Menschen. Orientierung im Denken bleibt aber blind, wenn es nicht zu einer Orientierung im Handeln führt. Daher kann bei aller Philosophie auch ein wenig Antifragilität nicht schaden. Nassim Nicholas Taleb, der sich als Schwarzer Schwan der Wirtschaftsbuch-Bestsellerlisten dabei wiederum auf zahlreiche Philosophen beruft, sei Dank…

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Erleben macht glücklicher als Haben

bund_72dpi_rgb_wirtschaftspreis

Als im Jahr 1992 das Buch ‚Erlebnisgesellschaft’ von Gerhard Schulze erscheint, besteht kein Zweifel mehr daran, dass Unterhaltung, Animation und Erlebnis zu Konsumgütern geworden sind, die sich auf hervorragende Weise vermarkten lassen. Heimliche und knappe Ressource in der Erlebnisgesellschaft sind Zeit, Aufmerksamkeit und die Qualität des Erlebten. Es reicht schon lange nicht mehr Dinge einfach nur zu tun, es muss schon ein gewisses Etwas, ein Erlebnisfaktor hinzukommen. Großstädte wie New York, London und Paris sind so sehr auf ihre Erlebnissphäre hin ausgerichtet, dass sie an manchen Stellen kaum noch von Disneyland zu unterscheiden sind.

Ein direktes Produkt dieser Gesellschaft ist die Generation Y, die in den fetten 80er und 90er Jahren aufgewachsen ist. Wenn für die Vertreter dieser verwöhnten Generation etwas klar ist, dann die Erkenntnis, dass sie es wahrscheinlich nicht besser haben werden als ihre Eltern. Da Reichtum, Wohlstand und materielle Stabilität der Eltern uneinholbar scheinen, verlieren auch die alten Statussymbole und Insignien der Macht an Bedeutung. Dieser Wertewandel findet, glaubt man Kerstin Bund, vor allem in der Arbeitswelt statt.

Statussymbole wie der Firmenwagen, die eigene Immobilie und der eigene Kleinwagen haben vielfach ausgedient. Die Generation Y strebt nach Freiheit, Flexibilität und Selbstbestimmung. Das neue Zauberwort und Statussymbol heißt Autonomie. Mehr Freiheit in der Gestaltung von Beruf und individueller Freizeit. Für Kerstin Bund zählen folgende Werte für die neue Work-Life-Balance: mehr Freiheiten, gute Führung, bessere Vereinbarkeit, mehr Individualismus und richtige Belohnung.

Mit Glück schlägt Geld schreibt Kerstin Bund ein schonungsloses Generationenporträt, das auch vor Worten wie Selbstverwirklichung, Spaß und Individualismus keinen Halt macht. Echt absolut 90er, würde man spontan sagen, aber das Buch ist aus dem Jahr 2014. Im Jargon der Eigentlichkeit enthüllt es, was die Generation Y wirklich will: „Behütet aufgewachsen, gut vernetzt, selbstbewusst und anspruchsvoll. Das ist meine Generation, die nach 1980 Geborenen, die gerade hunderttausendfach die Arbeitswelt betreten und ihren Chefs genauso viel Aufmerksamkeit (wenigstens Blumen zum Geburtstag) und Anerkennung (ein Lob für die Extra-Arbeit) abverlangen wie ihren Eltern.“

Das ist vielleicht ein bisschen zu viel? Möglicherweise, ja. Auch die Autorin diskutiert zu ihrer These mehrere Perspektiven und bietet eine vielschichtige sowie differenzierte Lektüre. Damit entsteht ein Ratgeber der besonderen Art, denn gerade auf den letzten 50 Seiten stehen wertvolle Ratschläge und Handlungsempfehlungen für eine gelungene Transformation der Arbeitsweise. Nicht nur Flexibilisierung im Arbeiten, sondern auch im Denken ist am Ende Dreh- und Angelpunkt für eine gelungene Integration der anspruchsvollen Y-Bedürfnisse in den Unternehmen und Firmen. Mit zahlreichen Vorschlägen und Fallbeispielen wird das Buch zu einem lesenswerten und anregenden Ratgeber für ein flexibleres Arbeiten und Denken.

Mit der These, dass Glück wichtiger als Geld ist und Sinn wichtiger als Besitztum und Status, knüpft Kerstin Bund an ein Denken an, das hierzulande beispielsweise durch Erich Fromm populär geworden ist (Sein ist wichtiger als Haben). Allerdings ist es kaum vorstellbar (wenn auch wünschenswert!), dass mit dem Generationenporträt wirklich die Masse der Generation Y abgebildet sein kann. Die ZEIT-Redakteurin übersieht, dass Selbstbestimmung und Individualismus längst selbst zu akkumulierbaren Gütern und kapitalisierbaren Statussymbolen geworden  sind. Individualistischer Lebenswandel und Selbstbestimmung setzen ein hohes Maß an Erfolg und Prestige voraus.

Ein interessanter und wohltuender gesellschaftlicher Trend zur Flexibilisierung und Selbstbestimmung ist hiermit zwar angezeigt (Bund gibt auch zahlreiche Beispiele). Ob er sich allerdings auch mehrheitlich und branchenübergreifend durchsetzt, bleibt abzuwarten. Nicht in allen großen Konzernen und mittelständischen Unternehmen stehen das Sabbatical und flexible Arbeitszeiten auf der Tagesordnung.

Erleben macht glücklicher als Haben

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Als im Jahr 1992 das Buch ‚Erlebnisgesellschaft’ von Gerhard Schulze erscheint, besteht kein Zweifel mehr daran, dass Unterhaltung, Animation und Erlebnis zu Konsumgütern geworden sind, die sich auf hervorragende Weise vermarkten lassen. Heimliche und knappe Ressource in der Erlebnisgesellschaft sind Zeit, Aufmerksamkeit und die Qualität des Erlebten. Es reicht schon lange nicht mehr Dinge einfach nur zu tun, es muss schon ein gewisses Etwas, ein Erlebnisfaktor hinzukommen. Großstädte wie New York, London und Paris sind so sehr auf ihre Erlebnissphäre hin ausgerichtet, dass sie an manchen Stellen kaum noch von Disneyland zu unterscheiden sind.

Ein direktes Produkt dieser Gesellschaft ist die Generation Y, die in den fetten 80er und 90er Jahren aufgewachsen ist. Wenn für die Vertreter dieser verwöhnten Generation etwas klar ist, dann die Erkenntnis, dass sie es wahrscheinlich nicht besser haben werden als ihre Eltern. Da Reichtum, Wohlstand und materielle Stabilität der Eltern uneinholbar scheinen, verlieren auch die alten Statussymbole und Insignien der Macht an Bedeutung. Dieser Wertewandel findet, glaubt man Kerstin Bund, vor allem in der Arbeitswelt statt.

Statussymbole wie der Firmenwagen, die eigene Immobilie und der eigene Kleinwagen haben vielfach ausgedient. Die Generation Y strebt nach Freiheit, Flexibilität und Selbstbestimmung. Das neue Zauberwort und Statussymbol heißt Autonomie. Mehr Freiheit in der Gestaltung von Beruf und individueller Freizeit. Für Kerstin Bund zählen folgende Werte für die neue Work-Life-Balance: mehr Freiheiten, gute Führung, bessere Vereinbarkeit, mehr Individualismus und richtige Belohnung.

Mit Glück schlägt Geld schreibt Kerstin Bund ein schonungsloses Generationenporträt, das auch vor Worten wie Selbstverwirklichung, Spaß und Individualismus keinen Halt macht. Echt absolut 90er, würde man spontan sagen, aber das Buch ist aus dem Jahr 2014. Im Jargon der Eigentlichkeit enthüllt es, was die Generation Y wirklich will: „Behütet aufgewachsen, gut vernetzt, selbstbewusst und anspruchsvoll. Das ist meine Generation, die nach 1980 Geborenen, die gerade hunderttausendfach die Arbeitswelt betreten und ihren Chefs genauso viel Aufmerksamkeit (wenigstens Blumen zum Geburtstag) und Anerkennung (ein Lob für die Extra-Arbeit) abverlangen wie ihren Eltern.“

Das ist vielleicht ein bisschen zu viel? Möglicherweise, ja. Auch die Autorin diskutiert zu ihrer These mehrere Perspektiven und bietet eine vielschichtige sowie differenzierte Lektüre. Damit entsteht ein Ratgeber der besonderen Art, denn gerade auf den letzten 50 Seiten stehen wertvolle Ratschläge und Handlungsempfehlungen für eine gelungene Transformation der Arbeitsweise. Nicht nur Flexibilisierung im Arbeiten, sondern auch im Denken ist am Ende Dreh- und Angelpunkt für eine gelungene Integration der anspruchsvollen Y-Bedürfnisse in den Unternehmen und Firmen. Mit zahlreichen Vorschlägen und Fallbeispielen wird das Buch zu einem lesenswerten und anregenden Ratgeber für ein flexibleres Arbeiten und Denken.

Mit der These, dass Glück wichtiger als Geld ist und Sinn wichtiger als Besitztum und Status, knüpft Kerstin Bund an ein Denken an, das hierzulande beispielsweise durch Erich Fromm populär geworden ist (Sein ist wichtiger als Haben). Allerdings ist es kaum vorstellbar (wenn auch wünschenswert!), dass mit dem Generationenporträt wirklich die Masse der Generation Y abgebildet sein kann. Die ZEIT-Redakteurin übersieht, dass Selbstbestimmung und Individualismus längst selbst zu akkumulierbaren Gütern und kapitalisierbaren Statussymbolen geworden  sind. Individualistischer Lebenswandel und Selbstbestimmung setzen ein hohes Maß an Erfolg und Prestige voraus.

Ein interessanter und wohltuender gesellschaftlicher Trend zur Flexibilisierung und Selbstbestimmung ist hiermit zwar angezeigt (Bund gibt auch zahlreiche Beispiele). Ob er sich allerdings auch mehrheitlich und branchenübergreifend durchsetzt, bleibt abzuwarten. Nicht in allen großen Konzernen und mittelständischen Unternehmen stehen das Sabbatical und flexible Arbeitszeiten auf der Tagesordnung.