Born to learn

Leben ist Arbeit, Arbeit, Arbeit… Wenn Peter Sloterdijk im Jahr 2009 Rilkes Satz Du musst dein Leben ändern! zum ästhetischen Imperativ unserer Zeit erklärt, so ist mittlerweile mindestens ein weiterer hinzugekommen: Du musst dein Leben lang lernen!

Ob beim Kochen, Tauchen, Wandern, Laufen, Denken, Schminken oder Segeln, wir kommen nicht umhin, bei all diesen Tätigkeiten zu lernen. Das menschliche Gehirn selbst ist auf lebenslanges Lernen und permanente Veränderung angelegt, wie die neueste Hirnforschung zeigt.

Der Autor Robert Greene geht in seinem Buch Perfekt! davon aus, dass jeder Mensch bestimmte Lernkurven und eine ganz individuelle Lehrzeit durchläuft, bevor er zu seinem persönlichen Kreativitätspotenzial gelangt. Anhand unterschiedlichster Denker und Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, Charles Darwin, Marie Curie, Martha Graham und Wolfgang Amadeus Mozart erzählt er von den verschiedenen Phasen, Hindernissen und Durchbrüchen einer kreativen Laufbahn.

Learn your personal lessons und folge deiner ganz individuellen Lernkurve, das bedeutet nicht nur Disziplin, Talent und Ausdauer, auch der Körper und das soziale Umfeld beeinflussen das Lernverhalten. Das Gedächtnis sitzt im ganzen Körper, wie Christian Ankowitsch in seinem Buch Warum Einstein niemals Socken trug auf unterhaltsame Weise beschreibt.

Wie scheinbar Nebensächliches unser Denken beeinflusst entgeht uns im Alltag wahrscheinlich genauso oft wie das Umfeld, in dem wir lernen. Auf die Rolle des Umfeldes für unseren Lernprozess macht uns Prof. Dr. Onur Güntürkün in seinem kurzweiligen und äußerst informativen ZEIT Akademie Seminar aufmerksam, eine grandiose Einführung in das Spektrum aktueller Hirnforschung.

So wie der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt (Schiller), so ist er auch da nur ganz Mensch, wo er übt. Das Üben ist eine grundlegende Essenz des menschlichen Daseins oder die Erfindung des Menschen als lernendes Wesen: Born to learn.